Erzählung einer Kindheit in Spanien

In dieser Erzählung macht sich die Autorin Stephanie Posselt ein weiteres Mal auf die Suche nach diesem essenziell Anderen, was dem Leben in Spanien innewohnt. Mit viel Feingefühl erzählt sie von dem, was charakteristisch für den Familienzusammenhalt ist; von dem, was die spanische Mentalität an sich ausmacht. Dabei wählt sie als Schauplatz eines der vielen kleinen Dörfer, die so typisch für die spanische Geografie sind. Sie baut die Geschichte über eine wiederkehrende Rückblende auf, die immer näher an das eigentliche Ziel führt.
Ankommen erzählt von der Kindheit in einem kleinen spanischen Bergdorf. Als nunmehr erwachsene Frau erinnert sich die Erzählerin an diese Zeit. Unfreiwillig hatte ihr Vater sie als kleines Mädchen zur Familie ihrer Tante nach Spanien gebracht. Sie erlebte einen radikalen Wechsel von der Hektik einer deutschen Stadt hin zu der naturgebundenen Ruhe eines abgelegenen Dorfes. Das Leben dort war von Einfachheit bestimmt, von Zusammenhalt und Gemeinsamkeiten, von der Natur und den Jahreszeiten. So wuchs sie in der Geborgenheit ihrer Ziehfamilie auf, aber so sehr sie sich dort auch integrierte, blieb dennoch immer eine gewisse Fremde, die tief in ihrer Seele wurzelte. Dieser Fremde versuchte sie durch eine augenscheinliche Flucht nach vorn zu entkommen, sieht jedoch schließlich ein, dass die Suche nach Etwas, das man in Wahrheit schon lange gefunden hat, zwecklos ist.
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Leseprobe Ankommen:
„....Nun saßen wir in der erstbesten Bar des Dorfes und Papa redete auf mich ein, wie auf einen sturen Esel. Ich hielt mich an meinem O-Saft fest. Und an den letzten Minuten, die mir vor meinem neuen Leben noch blieben. Noch hatte Papa mich nicht abgegeben bei Tante Mari. Noch lag mein Koffer in seinem Auto und demnach gab es auch keinen echten Grund, warum er mich nicht einfach wieder mit zurücknehmen sollte.
Dann verstellte eine mächtige Silhouette das bisschen Sonnenlicht, das durch die geöffnete Eingangstür in den Raum fiel. Papa winkte und Onkel Juan wälzte sich auf uns zu, grapschte mich mit einem ausholenden Armschwung vom Barhocker, quetschte mich an seine Brust und drückte mir auf beide Wangen einen feuchten Kuss. Dabei plapperte er auf mich ein und hüllte mich in eine Glocke von Knoblauchdunst. Sein Gesicht war leicht gerötet, seine Augen kaum sichtbar, weil sein breites Lächeln sie fast zuquellen ließ. Seine Stimme war rau und schien aus großer Tiefe aus ihm heraus zu kriechen. Mittlerweile tanzte er um seine eigene Achse, mich dabei immer noch auf dem Arm. Obwohl mir überhaupt nicht danach zumute war, musste ich irgendwann lachen von dem ganzen Geschaukel. Das freute Onkel Juan noch mehr und er begann, mich in die Rippen zu zwacken. Unser Gelächter drang sicher bis hin zur Kirche in der Mitte des Dorfes. Statt abzuebben wurde es immer wilder. Mein Vater fiel ein. Tante Mari kam, Oma und Opa im Schlepptau. Wie ein seltener Gegenstand wurde ich von Arm zu Arm gereicht, in Bauch, Beine und Gesicht geknufft und von Küssen, sogar auf den Mund, übersät. Das ganze Theater zog weitere Leute an und schließlich platzte die Bar aus allen Nähten. Mir war ganz schwindelig vor lauter Begrüßung und zum Glück schnappte irgendwann Onkel Juan wieder nach mir, um mich in seinen Arm zu setzen und fortzutragen....“
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Ankommen - Die Geschichte einer sehnsüchtigen Suche
Erschienen als eBook bei Dragon Edition, 2,99 €





