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Die Bedeutung des Olivenbaums - Mystik


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Der Olivenbaum begleitet die Menschheitsgeschichte schon sehr lange Zeit. Es existieren Versteinerungen aus dem Jahre 12000 vor Christus in Nord-Afrika sowie zahlreiche Höhlenmalereien in der Sahara, in Spanien und auf Kreta, die den Olivenbaum darstellen. Er findet Bedeutung in den drei großen monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islamismus, die alle im mediterranen Raum ihren Ursprung haben. Er wurde schon immer in Zusammenhang mit den Göttern und dem Übernatürlichen gestellt. Dabei trat er stets als Helfer des irdischen Daseins auf, weil der Mensch mit allen Sinnen von ihm profitieren konnte. Die Olive kann Licht und Wärme erzeugen, wirkt gegen einige Krankheiten, trägt zum Erhalt von Jugend, Schönheit und Gesundheit bei und noch dazu schmeckt sie gut.

 

Für die Ägypter war es die Göttin Isis, die Mutter des Universums, von den Griechen Deméter genannt, die den Menschen die Geheimnisse des Olivenanbaus und der Verwendung seiner Bestandteile verriet. Im alten Ägypten galt Olivenöl als flüssiges Gold. Es war ein Luxusgut, das besonders zur Schönheitspflege verwendet wurde. Die Göttin Isis muss ihre Aufgabe gut erfüllt haben, kannten die Ägypter doch schon etliche Anwendungen inklusive der Herstellung von Seife. Bei fast allen kultischen Ritualen spielte es eine wichtige Rolle. So wurde es zum Weihen der Altare oder zur Beleuchtung der Tempel benutzt. Tote wurden mit aromatisiertem Olivenöl gesalbt und mit einem Kranz aus Olivenzweigen beerdigt, der sie ins Jenseits begleiten sollte.

Bei den Griechen galt die Olive als eine der heiligen sieben Pflanzen und symbolisierte Unsterblichkeit sowie Frieden und Toleranz unter den Völkern. Die Feige und der Olivenbaum galten als die zwei Bäume des irdischen Paradieses. Die Feige stand für die Wahrheit, der Olivenbaum für das Leben und den Frieden, den Sieg und die Fruchtbarkeit.

Der griechische Mythos erzählt folgendes: Athene (auch Minerva), die Göttin der Künste, lag wegen der Herrschaft über Attika im Streit mit Poseidon, dem Gott der Meere. Der mächtige Zeus wurde zum Schlichter dieses erbitterten Zanks und bestimmte, wer den Menschen das nützlichste Geschenk mache, solle über Attika herrschen. Der Wettbewerb wurde auf dem Felsplateau ausgetragen, auf dem später die Akropolis entstand. Poseidon stach mit seinem Dreizack in den Felsen und ließ eine Quelle hervorsprudeln. „Ich gebe euch Wasser zur Reinigung,  gegen den Durst und zum Anbau eurer Nahrung“, rief er von seinem Erfolg überzeugt. Athene dagegen zückte einen Olivenbaum hervor. Dieser gab den Menschen Nahrung, Heilung, Körperpflege, Licht und Wärme und machte sie damit zur Siegerin dieses Wettkampfes.

Die Olive stand für spirituelle Energie und geistiges Licht (wegen seiner Verwendung als Lampenöl), für die Reinigung (wegen seiner heilenden Wirkung), für die Fruchtbarkeit und Langlebigkeit (wegen seiner Resistenz und Überlebensfähigkeit, ohne viel von der Erde zu verlangen), und für Frieden und Sieg (wegen seiner beruhigende Wirkung).

Die Olive bestimmte das gesellschaftliche Leben der Griechen. Alle sakralen und königlichen Gegenstände wie Statuen der Götter, Zepter und Thron wurden aus Olivenholz gefertigt. Die Teilnehmer an den Olympischen Spielen wurden vor dem Wettkampf mit Olivenöl eingerieben, was ihnen Kraft geben sollte, und mit einem Olivenkranz geehrt, der ihre Ausdauer würdigte. Die Griechen glaubten, unter dem Olivenbaum würden die Kinder der Götter geboren. Aus diesem Grund schliefen schwangere Frauen auf Olivenblättern oder im Schatten des Baumes. Auch soll sich Aristoteles vor seinen dialektischen Reden mit Olivenöl eingerieben haben. Die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten waren hinreichend bekannt und sie benutzten das Olivenöl sogar, um Stoffe haltbarer und flexibler zu machen. Auf die Zerstörung eines Olivenbaums standen harte Strafen. Rückblickend erlebte der Kult um die Olive bei den Griechen wohl den Höhepunkt.

Im Nahen Osten (Anatolien) wurde der Olivenbaum zum Stellvertreter des vierten kosmischen Buchstabens, Delta. Der Ochse war Alfa, das Haus Beta und das Kamel Gamma. Das Universum wurde als weiter, unendlicher Ozean aus Olivenöl angesehen.

Das Römische Imperium übernahm die Mythen und Anwendungen aus der Vorzeit und bildete keine eigenen aus. Man konzentrierte sich mehr auf die wirtschaftlichen Aspekte des Olivenöls und verschiffte riesige Mengen davon über den Tiber nach Rom. Der Berg Testaccio in Ostia bei Rom vermittelt davon ein Bild. Er ist knapp 35 Meter hoch und besteht fast vollständig aus Tonscherben, von denen etliche Fragmente aus Ölkrügen des damaligen Hispania bestehen.

Im Christentum kommt der Olive wieder eine hohe Bedeutung zu. In der Bibel wird sie etwa einhundertvierzig Mal direkt genannt und etwa einhundert Mal wird darauf angespielt. Die Genesis verkündet, dass eine Taube einen Olivenzweig zur Arche brachte und Noah somit das Ende der Flut erkannte. Im Randgebiet von Jerusalem befindet sich der Ölberg, der in der Bibel häufig erwähnt wird. An seinem Fuße liegt der Garten Getsemani, in dem Jesus Zwiesprache mit Gott gehalten und seine letzten Stunden vor der Kreuzigung dort verbracht hat. Angeblich war das Kreuz aus Olivenholz.

Im Neuen Testament wird häufig der medizinische Gebrauch von Olivenöl angesprochen. Noch heute wird mit Balsam vermischtes Olivenöl (Chrisam) von der katholischen Kirche zu bestimmten Anlässen als Sakrament verteilt.

Auch im Islam spielt die Olive eine wichtige Rolle. Im Koran wird sie über zweihundert Mal erwähnt. Das Olivenöl gehört zu den religiösen Prinzipien der Scharia. Für die Marokkaner war jedes Olivenblatt mit einem der 99 Namen für Gott beschrieben. In den Ländern Maghrebs wurden die Pflüge vor der Arbeit mit Olivenöl eingerieben, womit die Fruchtbarkeit der Erde gesteigert werden sollte.

Im Mittelalter wurde Olivenöl verstärkt und für alle Schichten als Heilmittel oder Medizin eingesetzt, jedoch wurde der Olivenbaum in Europa mit den ketzerischen Religionen aus dem Mittelmeerraum (Juden, Muslime, Katharer etc.) in Verbindung gebracht und verlor deshalb an kulturellem Wert. Die Olivenpflanzungen litten erheblich unter den Kriegen und verschwanden fast gänzlich. Einzig in den Klöstern der Benediktiner und Zisterzienser wurden einige wenige Olivenbäume kultiviert.

Heute wird dem Olivenöl wird aus ernährungstechnischer und medizinischer Sicht ein zunehmend hoher Wert beigemessen, haben doch zahlreiche Untersuchungen und Analysen etliche Vorzüge für das menschliche Wohlbefinden bewiesen, die ihm schon von alters her unterstellt wurden.

Auch in spiritueller und esoterischer Hinsicht gewinnt die Olive wieder an Bedeutung. Die allgemeine Desorientierung der Menschen in einem Zeitalter, das sich von einer Industriekultur zu einer Digitalkultur wandelt, schafft Nähe zu allem, was Verlässlichkeit verspricht. Zum Olivenbaum fühlt man sich hingezogen wegen seiner Kraft, die Bodenständigkeit verspricht, wegen seines langsamen Wuchses, der Ruhe vermittelt, wegen seiner ständigen Erneuerung aus dem Stamm heraus, was für Überlebensfähigkeit und Widerstandskraft steht, und wegen seines Alters, das Weisheit spüren lässt. Alles in allem ist der moderne Mensch bereit, die Aura eines Olivenbaums in sich aufzunehmen und als Bereicherung zu erfahren.

Allerdings ist es heutzutage nicht ganz einfach, von den mystischen Aspekten des Olivenbaums zu profitieren. In den vielen Fällen stehen die Bäume auf blanker Erde, denn die weitaus meisten Olivenhaine werden intensiv kultiviert. Für Gräser und Kräuter ist dort kein Platz und damit geht jegliche Natürlichkeit leider verloren. Demgegenüber weiten sich die sogenannten verlorenen Olivenhaine aus und innerhalb von nur einem Jahr ist ein Olivenbaum, der nicht gepflegt wird, von Sockelsprossen eingewachsen, die seinen Stamm zuwuchern. Der Baum jammert dann, was eine wohltuende Meditation verhindert. Natürlich gepflegte Haine, die tatsächlich ein spirituelles Erleben ermöglichen, sind eine seltene Ausnahme. Und wer sich an die heiligste Stätte des Olivenbaums nach Jerusalem begibt, den erwartet dort sogar Krieg und Zerstörung. Schwere Zeiten also für Liebhaber des Olivenbaumkults.

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