Rezension zu Unter Blau Teil 1 und 2

Beim Lesen fühlte ich mich mehr als einmal in meine eigene Jugend zurückversetzt. Nicht nur durch die Erlebnisse des Protagonisten Scratch in seiner Heimatstadt Köln, auch wegen der lockeren Umgangssprache der Autorin Stephanie Posselt. Somit ist "Unter Blau" nicht nur ein äußerst kurzweiliger Roman sondern gleichfalls eine Art "Sittengemälde" der 90er Jahre.
Viele Jugendliche, die in der damaligen Zeit exzessiv die aufkommende Techno Szene durchlebt haben werden sich in Scratch wieder finden können. Einige wären sicherlich froh gewesen, wenn sich ihnen eine ähnliche Möglichkeit eines kompletten Neuanfangs aufgetan hätte.
Aber auch wenn es für Scratch anfangs nur um einen befristeten Aufenthalt von einigen Wochen in Spanien geht, um das Erbe seines ihm kaum bekannten Vaters anzutreten, stellt er doch trotz anfänglicher Schwierigkeiten sprachlicher und mentalitärer Art fest, dass dieses oberflächliche Partyleben in Deutschland nur dafür gesorgt hat, sich immer mehr mit seinen Probleme zu verkriechen. Hier im ländlichen Teil Tarragonas, in einem kleinen Fischerdorf, wird er nicht nur mit seinem Vater konfrontiert sondern auch mit sich selbst.
Viel Arbeit wartet hier auf ihn, die er mit Feuereifer aufnimmt und merkt, wie sehr ihm doch eine sinnvolle Aufgabe im Leben gefehlt hat.
Neue Freunde, die so ganz anders sind als das alte Kölner Party Volk, lehren ihn, das es auf wichtigere Dinge ankommt, als sich von Wochenende zu Wochenende, von Party zu Party zu schleppen. Selbst seine Passion als DJ erscheint ihm hier in diesem Land, wo die Uhren anders ticken und alles "tranquilo" läuft, als nicht mehr so gewichtig.
Scratch befindet sich auf einer Reise zu sich selbst und gewinnt erstaunliche Erkenntnisse über sich und sein Leben. Auch wenn sein Aufenthalt in Katalonien mit Hindernissen und Mühen verbunden ist, fühlt er sich bald verbundener mit diesem Land und seinen Leuten als mit seiner alten Heimat.
Doch die Zeit geht seinem Ende zu und Scratch muss eine Entscheidung treffen...
zurück nach Deutschland oder die Aufgabe hier vollenden?
Selten habe ich beim schmökern eines Buches so viel geschmunzelt und mitgefühlt. Ich kann es nur jedem Leser empfehlen. Es liest sich fast in einem Rutsch durch und lässt einen schon gespannt auf den 2. Teil warten.
Teil 2 - Haingeflüster
Scratch hat sich entschieden die Arbeit an der geerbten Finca seines Vaters fortzusetzen. Nun muss er feststellen, dass er ohne Hilfe auf der Baustelle nicht weiterkommt. In Oliver findet er tatkräftige Unterstützung und zu alledem auch noch einen guten Freund. Gemeinsam nehmen sie die Arbeit in Angriff und schon bald lassen sich erste Ergebnisse sehen. Nachdem Scratch die Hürde der Hausvollendung gemeistert hat, steht einer Rückkehr nach Deutschland eigentlich nichts mehr im Wege.
Glücklich ist Scratch bei dem Gedanken nicht denn die Verbindungen zu den alten Freunden in der Heimat hat sich immer mehr gelockert. Aber wie soll er hier seinen Lebensunterhalt verdienen.
Wie ein Wink des Schicksals erscheint es ihm als Oliver ihm erklärt, das seine 2,7 Hektar voller Olivenbäume nun dringend einiger Pflege bedürfen, wenn er seine Ernte nicht verkommen lassen will. Zu allem Glück überrascht ihn noch ein Interessent, der ihm ein Angebot für sein fertiges Olivenöl macht, das er auch schon von seinem Vater bezogen hat.
Nun steht Scratchs Karriere als Olivenbauer nichts mehr im Wege, wenn er denn nur wüsste, was er dafür genau tun muss. Viele Ratschläge und hilfreiche Hände sorgen für eine turbulente Zeit auf der Finca...
Wieder einmal kann man das Buch kaum aus der Hand legen und fühlt mit Scratchs Höhen und Tiefen. "Unter Blau" macht süchtig und man wartet gespannt wie es weitergeht mit Scratchs Erlebnissen, der einem irgendwie ans Herz gewachsen ist.
Die im Anschluss aufgeführten mediterranen Rezepte schaffen es, einen in die richtige Stimmung zu versetzen, das Nachkochen lohnt sich!
Rezension von Mic Bahrour, Mitinitiatorin von showcase, im Mai 2011
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