Home Unter Blau - Die Fortsetzung .....Wirtschaften auf spanische Art.....

.....Wirtschaften auf spanische Art.....



Wirtschaften_auf_spanische_Art

Fortsetzung "Unter Blau" Fragment - Scratch erzählt:

 „.....Mit Beginn der Nachsaison nahm das Leben in dem kleinen Fischerdorf wieder seine übliche Gangart an. Das gleißende Licht des Augusts war den warmen Tönen eines herrlichen Septembers gewichen und machte jeden Tag zu einem erfrischenden Erlebnis für Geist und Körper. Ich saß in der Nachmittagssonne oberhalb des Hafens und wartete auf zweierlei Dinge. Das Öffnen der Eisdiele und das Eintreffen meiner – naja, ich sage mal Sommerliebe.

Der unschuldig und normal klingende Name Marta entsprach keineswegs ihrem rebellischen und ganz und gar individuell ausgerichteten Naturell. Wir hatten uns bei einer Strandparty kennengelernt und ich muss ja niemandem erzählen, wie romantisch ein solcher Flirt enden kann. Apropos Ende, das war nämlich das Dumme daran. Marta stand kurz vor dem Abschied von ihrem Sommerjob, vom Fischerdorf und eben auch von mir. In wenigen Tagen würde sie zurück ins Hinterland fahren und was dann aus unserer Liebe werden sollte, das stand sonst wo. Ich wusste es jedenfalls nicht.

„Hola cariño“, riss mich ihre säuselnde Stimme aus meinen Gedanken. „Ich muss sofort einen starken Kaffee trinken, sonst breche ich zusammen.“ Dabei schaute sie grimmig auf das heruntergelassene Eisenrollo der Eisdiele.

Ich musste lächeln. Offenbar verärgerte sie, die Spanierin, es mehr, als mich, den Deutschen, dass dieser Laden eben nur normalerweise jeden Nachmittag offen hatte. Heute schien einer dieser zahllosen und unvorhersehbaren Tage zu sein, wo etwas eben nicht normal lief. Und die Schotten halt dicht blieben. Oder halt sonstwann öffneten. Für mich war das mittlerweile völlig normales Programm.

Aber Marta echauffierte sich heftig, wie sie eben alle ihre Gefühle mit einer Leidenschaft lebte, die alles verzehrend war. Das war es ja genau, worauf ich bei ihr unheimlich stand. Manchmal hatte das natürlich auch unangenehme Ausprägungen, damit wurde ich bislang jedoch gut fertig.

„Also wie soll denn so ein Geschäft funktionieren, wenn die mal arbeiten und mal nicht?“, keifte sie in Richtung graues Eisentor.

Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen: „Das fragt sich Frau Merkel sicher auch.“

„Was hat die denn nun damit zu tun?“

„Ist doch ganz logisch. Dieses kleine Ereignis steht für etwas, das täglich überall in Spanien passiert. Wenn was läuft, ist gut, wenn nicht, dann halt mañana. Anfangs hat mich das zur Weißglut getrieben. So etwas würde es in Deutschland nie geben! Wenn man dort selbst seinen Laden nicht aufschließen kann, dann muss man eben jemand anderen dafür finden. Das tut nicht nur den Kunden gut sondern schafft eben auch Arbeitsplätze.“

Sie schaute mich nachdenklich an. „Und darum meinst du, steckt Spanien so in der Krise?“

Ich nickte.

„Vielleicht hast du recht. Aber da gibt es noch so viel Anderes, was komplett falsch läuft.“ Sie kramte in ihrer übergroßen Tasche, aus der sie schon so manche Überraschung gefischt hatte. Dabei fielen ihre schwarzen Korkenzieherlocken ins Gesicht, nur noch die freche Nasenspitze lugte hervor. Im Geiste machte ich davon einen Schnappschuss – für all die langen dunklen Winterabende, die kurz bevorstanden.

Endlich zog sie ein Papier hervor und hielt es mir unter die Nase. Es war der Ausdruck eines Artikels aus der La Vanguardia online.

„Du musst das nicht durchlesen, cariño, ich erzähle es dir. Es geht um Theater, Sportstätten und andere kulturelle Einrichtungen der Gemeinden. Es ist kein Geld mehr da, um sie weiterhin zu betreiben.“

„Das ist in Deutschland schon vor Jahren ausgegangen“, bemerkte ich trocken.

„Aber die Sache ist hier noch ganz anders. In dem Artikel steht das erst ganz unten, im letzten Satz. Zitat: Wenn der Staat uns nicht zwingen würde, an ihn zu bezahlen, noch bevor wir unsere Lieferanten bezahlt haben, und wenn die Generalitat uns bezahlen würde, pünktlich, wann sie muss, wären die Probleme auf jedenfall kleiner. Die Landesverwaltung schuldet einer der Gemeinden, die ihr Theater schließen muss, immerhin 4,4 Millionen Euro. Nur 150.000 davon braucht das Theater. Also, da scheiß ich doch die Milch“, fluchte sie.

Mir wurde es ganz mulmig. Klar, wenn sich die hiesige Landesverwaltung einfach so herausnahm, dem Personal im Gesundheitswesen bis Ende des Jahres das Gehalt fast komplett zu streichen und es dann erst 2013 auszuzahlen, dann gab es auf dieser Seite sicher auch keinerlei Problem, den Gemeinden ihr Geld nicht zu geben. Wie auch, wenn die Kassen komatös gähnten. Da rollte eine gewaltige Welle auf Spanien zu, das hatte ich ganz klar, als sich endlich eine beleibte ältere Dame an dem Rollo der Eisdiele zu schaffen machte.......“

 

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