.....Perfekte Tarnung.....

Fortsetzung "Unter Blau" Fragment - Scratch erzählt:
„......Meine Bekanntschaft mir Ruedi führte mich endlich mal raus aus dem Fischerdorf und weg von der Finca. „Du musst einfach mal wieder was Neues sehen“, hatte er mir geraten, als ich ihm an einem lauen Sommerabend das Herz in Bezug auf meine Zukunftsängste hier in Spanien ausgeschüttet hatte. Die Steppe bei Belchite in der Provinz von Saragossa war unser Ziel. Dort wollte Ruedi, der ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf war, zwei besondere Vogelarten aufspüren und für immer auf seiner Festplatte abspeichern. Das Sandflughuhn und das Spießflughuhn hatte er in den Fokus genommen und so kam es, dass wir mehrere Tage in dieser majestätisch schönen Landschaft zubrachten.
Zugegeben, dieser Ort Belchite hatte mich trotz meiner vielen Erfahrungen in Spanien ziemlich geschockt. Seinerzeit im Bürgerkrieg fand dort eine Schlacht statt, bei der das Dorf fast vollständig zerstört wurde. Und so stand es noch immer da, die Spanier kennen da gar nichts. Sie bauten einfach ein neues Dorf gleich nebendran und priesen ihre Ruinen als Sehenswürdigkeit an. Und das Beste daran war, dass es sogar funktionierte. Die ollen Steinreste hatten schon mehrfach als Filmkulisse hergehalten und das Stadtsäckl gefüllt. All dies erzählte mir Ruedi, während wir mit dem Aufbau unseres getarnten Zeltes beschäftigt waren.

„Diese Vögel sind sehr scheu und sind sie erst irgendwo gelandet, kannst du sie mit dem Auge nicht mehr erkennen, so perfekt verschmelzen sie farblich mit der Landschaft. Deswegen muss man sie im Anflug ausmachen, um dann ihren Landepunkt zu verfolgen“, erklärte er mir, während ich mir den Schweiß abwischte. Es war verdammt stickig in unserem Versteck und draußen brutzelte die Sonne mit vierzig Grad herunter.

Bereits am Morgen hatte er schon einige Aufnahmen dieser schön gezeichneten Vögel machen können. Das weibliche Spießflughuhn unterscheidet sich vom männlichen durch seine rotbraune Brust. Fasziniert starrte ich immer mal wieder durch Ruedis Kamera mit dem halben Meter Objektiv vorne dran. Aber ehrlich gesagt fiel es mir schwer, diesem Unterfangen auf Dauer etwas abzugewinnen. Mir war zwischendurch ziemlich langweilig. Tierfotografie war irgendwie nicht mein Ding, dafür fehlte es mir ganz klar an Geduld. Ich versuchte mir das jedoch nicht anmerken zu lassen, weil Ruedi durchaus beglückt und zufrieden wirkte. Er wollte auf jeden Fall noch den Abend abwarten, wo zumindest die Sandflughühner noch einmal wiederkommen würden.

Und genau so war es auch. Gegen Abend bekam er ein ernst wirkendes Pärchen vor die Linse, das bedächtig zur Wasserstelle tippelte. „Das Weibchen macht sich jetzt das Brustgefieder ordentlich nass. Damit bringt es Wasser zu den Jungen, die hier irgendwo versteckt nisten“, führte Ruedi aus. Das gab mir wieder ein wenig Denkstoff. Eine ganze Weile sinnierte ich über die Wunder der Natur und das perfekte Gefüge, in dem sich alles dreht.

So konnte Ruedi in Ruhe seine Sand- und Spießflughühner ablichten, ohne von mir dabei gestört oder genervt zu werden. Und tatsächlich gelangen ihm noch einige bemerkenswerte Schnappschüsse an diesem heißen Augustabend, dort in der Steppe bei Belchite........“
Hier geht’s zum gesamten Fotoalbum von Ruedi: Fotojagd auf Sand- und Spiessflughuhn, in der Steppe bei Belchite.
Alle Fotos in diesem Artikel mit freundlicher Genehmigung von Rudolf Bigler©.
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