.....Glühwein in Spanien.....

Fortsetzung "Unter Blau" Fragment - Scratch erzählt:
".....Ich traf mich mit Oliver am späten Nachmittag im Nachbardorf. Es befand sich im Taumel der Fiestas Mayores, dem wichtigsten Fest einer jeden Gemeinde, bei welchem der oder dem Schutzheiligen gehuldigt wird. In Deutschland heißen diese Feste Kirchweih, jedoch unterscheiden sie sich erheblich von dem Spektakel, das die spanischen Dörfer und Städte zu diesem Anlass aufbieten.
Knapp eine Woche lang wird gefeiert, getrunken, gegessen, veranstaltet und teilgenommen an allerlei festlichen Aktivitäten. Ein randvolles Programm, bei dem auch wir in diesem Jahr nicht fehlen wollten. Leider war das Wetter dem Ganzen wenig zugeneigt. Eine regnerische Kälte zog durch die Gassen und über den Platz vor dem Supermarkt, auf dem einige Karussells und Stände aufgebaut waren.
„Noch nicht allzu viel los“, meinte Oliver. Sein Atem schlug dabei Wölkchen und mir lief unwillkürlich eine Gänsehaut über die Arme.
„Hoffentlich kommen die Leute überhaupt. Hat doch keiner mehr Geld zum Verprassen“, mutmaßte ich. Dies entlockte Oliver einen Lacher.
„Also da muss schon Schlimmeres als eine handfeste Krise passieren, um die Spanier vom Feiern abzuhalten“, entgegnete er fröhlich und in ungetrübter Festlaune.
„Ein Glühwein, der wäre jetzt genau richtig“, meinte ich und steckte meine Hände noch tiefer in die Taschen.
„Jo, das wär’s“, stimmte er mir zu und setzte noch hinterher: „Wir sollten hier im nächsten Jahr eine Glühweinbude aufbauen.“
Damit traf er mich ungewollt an einem äußerst entzündlichen Punkt. Seit Wochen hatte ich mich nach den Möglichkeiten eines Kleingewerbes in Spanien erkundigt. Ich hatte allerlei Ideen, wie ich der Unmöglichkeit, einen Job zu finden, trotzen konnte. Einige Blätter Papier hatte ich bereits gefüllt mit Skizzen für den Ausbau eines alten VW-Busses, den ich zu einem Eis-Pommes-Sandwiches-Tortilla-Würstchenwagen umbauen wollte. Auch Glühwein wäre da problemlos integrierbar gewesen. Ich hatte mir vorgestellt, im Sommer die Strände anzufahren und Eis zu verkaufen, vielleicht auch das ein oder andere Sandwich und natürlich massenhaft gekühlte Getränke. Das wäre ein schönes Sommereinkommen gewesen, da war ich mir ganz sicher. Den Rest des Jahres hätte ich dann mit dem Angebot von Imbissen an diversen verkaufsgünstigen Punkten verbringen können.
Allerdings sah der spanische Staat für derartige Angebotskonzepte keinerlei legale Möglichkeit vor. Der mobile Verkauf war generell verboten. Geschützt werden sollten dadurch die einheimischen Läden und Gaststätten, die ja schließlich eine Gewerbesteuer zahlten. Das hatte mir ein Beamter im Rathaus erklärt. Für mich war das kein echter Grund. Solche mobilen Verkaufspunkte konnten ja durchaus ebenfalls gewerbeversteuert werden. Ein grundsätzliches Verbot dieser Art von Angebot schien mir aus hauptsächlich zwei Gründen völlig uneinsichtig: Es würde Arbeit schaffen und den Gästen oder Kunden dienen. Warum also sollte es so strikt verboten werden?
Natürlich wollte keiner dieser sachkundigen Beamten mit mir darüber diskutieren. Ich musste mich mit dem Nein begnügen und meine schöne Arbeitsbeschaffungsidee ad acta legen.
Klar, auf einem Markt, wie diesem hier zur Fiesta Mayor, hätte ich eventuell einen Standplatz für mein Fressmobil bekommen und hätte wahrscheinlich auch Glühwein verkaufen dürfen. Allerdings wäre das ein verdammt teures Unterfangen geworden. Denn auch für Klein- oder Nebengewerbe gab es in Spanien keine gesonderten Regelungen. Jeder, der kommerziell etwas anbieten wollte, musste vollselbstständig sein. Einen Kleingewerbeschein oder ähnliches gab es hier nicht. Die zu erfüllenden Formalitäten für den gelegentlichen Verkauf von zum Beispiel Glühwein kamen einer gigantischen Kostenwoge gleich, die einen erbarmungslos überrollte. Und dies vom ersten Moment an, obwohl noch kein Euro Umsatz stattgefunden hatte. Ein kompletter Wahnsinn, den ich Oliver bei dieser Gelegenheit ausschweifend erläuterte.
Wir waren mittlerweile in die Dorfkneipe geflüchtet, die übrigens ebenfalls nur sehr übersichtlich gefüllt war. Rosa, die Wirtsfrau, die noch im letzten Jahr immer so nett gelächelt hatte, schäumte mit zusammengekniffenen Lippen die Milch für den café con leche, den wir uns als völlig unpassende Alternative zum Glühwein bestellt hatten. Shakira säuselte ihre Botschaften durch die Lautsprecher und Oliver und ich blickten einigermaßen ratlos drein.
„Wenn in diesem Land mehr Leute Geld verdienen dürften, hätte Rosa auch nicht so schlechte Laune“, brachte er die Situation auf den Punkt.
Ich pflichtete ihm absolut bei. Was sollte nur aus diesem Spanien werden, wo es keine Jobs mehr gab und man sich nur mit unüberwindbaren Hürden und unannehmbar hohem Risiko selbstständig machen konnte? Die Aussichten waren mal mindestens so trüb wie das Januarwetter an diesem Tag....."
„Noch nicht allzu viel los“, meinte Oliver. Sein Atem schlug dabei Wölkchen und mir lief unwillkürlich eine Gänsehaut über die Arme.
„Hoffentlich kommen die Leute überhaupt. Hat doch keiner mehr Geld zum Verprassen“, mutmaßte ich. Dies entlockte Oliver einen Lacher.
„Also da muss schon Schlimmeres als eine handfeste Krise passieren, um die Spanier vom Feiern abzuhalten“, entgegnete er fröhlich und in ungetrübter Festlaune.
„Ein Glühwein, der wäre jetzt genau richtig“, meinte ich und steckte meine Hände noch tiefer in die Taschen.
„Jo, das wär’s“, stimmte er mir zu und setzte noch hinterher: „Wir sollten hier im nächsten Jahr eine Glühweinbude aufbauen.“
Damit traf er mich ungewollt an einem äußerst entzündlichen Punkt. Seit Wochen hatte ich mich nach den Möglichkeiten eines Kleingewerbes in Spanien erkundigt. Ich hatte allerlei Ideen, wie ich der Unmöglichkeit, einen Job zu finden, trotzen konnte. Einige Blätter Papier hatte ich bereits gefüllt mit Skizzen für den Ausbau eines alten VW-Busses, den ich zu einem Eis-Pommes-Sandwiches-Tortilla-Würstchenwagen umbauen wollte. Auch Glühwein wäre da problemlos integrierbar gewesen. Ich hatte mir vorgestellt, im Sommer die Strände anzufahren und Eis zu verkaufen, vielleicht auch das ein oder andere Sandwich und natürlich massenhaft gekühlte Getränke. Das wäre ein schönes Sommereinkommen gewesen, da war ich mir ganz sicher. Den Rest des Jahres hätte ich dann mit dem Angebot von Imbissen an diversen verkaufsgünstigen Punkten verbringen können.
Allerdings sah der spanische Staat für derartige Angebotskonzepte keinerlei legale Möglichkeit vor. Der mobile Verkauf war generell verboten. Geschützt werden sollten dadurch die einheimischen Läden und Gaststätten, die ja schließlich eine Gewerbesteuer zahlten. Das hatte mir ein Beamter im Rathaus erklärt. Für mich war das kein echter Grund. Solche mobilen Verkaufspunkte konnten ja durchaus ebenfalls gewerbeversteuert werden. Ein grundsätzliches Verbot dieser Art von Angebot schien mir aus hauptsächlich zwei Gründen völlig uneinsichtig: Es würde Arbeit schaffen und den Gästen oder Kunden dienen. Warum also sollte es so strikt verboten werden?
Natürlich wollte keiner dieser sachkundigen Beamten mit mir darüber diskutieren. Ich musste mich mit dem Nein begnügen und meine schöne Arbeitsbeschaffungsidee ad acta legen.
Klar, auf einem Markt, wie diesem hier zur Fiesta Mayor, hätte ich eventuell einen Standplatz für mein Fressmobil bekommen und hätte wahrscheinlich auch Glühwein verkaufen dürfen. Allerdings wäre das ein verdammt teures Unterfangen geworden. Denn auch für Klein- oder Nebengewerbe gab es in Spanien keine gesonderten Regelungen. Jeder, der kommerziell etwas anbieten wollte, musste vollselbstständig sein. Einen Kleingewerbeschein oder ähnliches gab es hier nicht. Die zu erfüllenden Formalitäten für den gelegentlichen Verkauf von zum Beispiel Glühwein kamen einer gigantischen Kostenwoge gleich, die einen erbarmungslos überrollte. Und dies vom ersten Moment an, obwohl noch kein Euro Umsatz stattgefunden hatte. Ein kompletter Wahnsinn, den ich Oliver bei dieser Gelegenheit ausschweifend erläuterte.
Wir waren mittlerweile in die Dorfkneipe geflüchtet, die übrigens ebenfalls nur sehr übersichtlich gefüllt war. Rosa, die Wirtsfrau, die noch im letzten Jahr immer so nett gelächelt hatte, schäumte mit zusammengekniffenen Lippen die Milch für den café con leche, den wir uns als völlig unpassende Alternative zum Glühwein bestellt hatten. Shakira säuselte ihre Botschaften durch die Lautsprecher und Oliver und ich blickten einigermaßen ratlos drein.
„Wenn in diesem Land mehr Leute Geld verdienen dürften, hätte Rosa auch nicht so schlechte Laune“, brachte er die Situation auf den Punkt.
Ich pflichtete ihm absolut bei. Was sollte nur aus diesem Spanien werden, wo es keine Jobs mehr gab und man sich nur mit unüberwindbaren Hürden und unannehmbar hohem Risiko selbstständig machen konnte? Die Aussichten waren mal mindestens so trüb wie das Januarwetter an diesem Tag....."
************
Lust auf mehr von Scratch? Dann bestellen Sie sich doch einfach "Unter Blau":




